Mobilität

ja bitte – nur anders!

Als besonders problematisch sehen wir die Dominanz der Autos an, u. a. wegen der Feinstaub- und Stickoxidbelastung, des Lärms, der Unfälle und des Platzverbrauchs auch beim Parken. Zur Stärkung alternativer Verkehrsformen (Fahrrad- und Fußverkehr, ÖPNV) fordern wir kurzfristig

Verhinderung des Durchgangsverkehrs auf den Nebenstraßen Ottensens

Ein neues Verkehrskonzept für Ottensen ist zwingend notwendig. In Anlehnung an das als „Superblocks“ bekannte Verkehrsberuhigungsmodell haben wir ein zeitgemäßes Konzept entworfen, mit dem der individuelle motorisierte Durchgangsverkehr verhindert wird, aber jede Straße erreichbar bleibt. Im Stadtplan lässt sich das Konzept folgendermaßen darstellen:

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Bei der Entwicklung des Konzeptes waren die folgenden Punkte maßgeblich:

  • Fahrradverkehr
    Ziel ist die Verlagerung des motorisierten Durchgangsverkehrs auf alternative Verkehrsmittel und nicht auf angrenzende Hauptverkehrsstraßen. Voraussetzung für den Ausbau des Fahrradverkehrs ist eine leistungsfähige Fahrradinfrastruktur, gleich welcher baulicher Ausprägung, die künftige Entwicklungen berücksichtigt. Der Fahrradverkehr wird zunehmen, er wird sich in seiner Zusammensetzung stark verändern und noch inhomogener werden: unterschiedliche Geschwindigkeiten (durch E-Bikes) und Breiten der Fahrräder (durch Lastenräder, Anhänger). Die kommerzielle Nutzung der Fahrradinfrastruktur steht 2018 erst am Anfang: Lieferdienste, steigendes Mietangebot auch von privaten Anbietern sowie weitere Geschäftsmodelle, die die Kommerzialisierung des Fahrradverkehrs vorantreiben werden, heute aber noch nicht bekannt sind.

    Die Planungen zum Ausbau der Veloroute 1 (Abschnitt Max-Brauer-Allee bis Fischers Allee, Stand vom 3. Mai 2018) sind uns bekannt. Grundsätzlich befürworten wir den Ausbau. Wir fordern aber ausdrücklich, die Leistungsfähigkeit der Veloroute 1 auf die absehbaren Erfordernisse der Zukunft auszurichten. Kritisch sehen wir im gegenwärtigen Planungsentwurf, dass dem Fahrradverkehr keine erkennbare Priorität gegenüber dem heutigen Autoverkehr einschließlich Parkraum eingeräumt wird. Da sich zudem die Veloroute 1 im genannten Abschnitt den vorhandenen, teils knappen Straßenraum mit häufig verkehrenden Linienbussen teilt, wird das heutige Parkraumangebot nicht zu halten sein, insbesondere dort, wo beidseitig das Parken vorgesehen ist (dies betrifft besonders die Keplerstraße).

    Ausreichende Abstellmöglichkeiten für den Quell- und Zielverkehr sind auf zeitgemäßem Standard einzurichten. Fahrradbügel sind zu wenig, erst durch das Aufstellen von abschließbaren Fahrradstellanlagen für Bewohnerinnen und Bewohner von Mietwohnungen wird sich die Zahl von guten, verkehrstüchtigen und gerne benutzten Fahrrädern im Viertel erhöhen.

  • ÖPNV
    Auch hier: Der motorisierte Durchgangsverkehr soll auf alternative Verkehrsmittel und nicht auf angrenzende Hauptverkehrsstraßen verlagert werden. Ottensen wird insgesamt zwischen Barnerstraße im Norden und Elbchaussee im Süden auf fünf Strecken (die genannten Randstraßen nicht mitgezählt) von HVV-Bussen bedient und durchquert.Grundsätzlich befürworten wir die gute Anbindung des Stadtteils mit Bussen, daher berücksichtigen unsere vorgeschlagenen Maßnahmen die Beibehaltung der gegenwärtigen Streckenführungen auf teils engen und dicht bebauten Straßen. Allerdings wäre eine Bündelung der Buslinien auf eine kompaktere Streckenführung zu überdenken.

    Die Anbindung der Linienbusse an den Altonaer Bahnhof mit Fern-, Nah- und S-Bahnverkehr sowie Busbahnhof ist hervorragend und braucht nicht verändert zu werden. In dicht bebauten Stadtteilen sollte der Einsatz schadstofffreier und leiser Linienbusse in Zukunft selbstverständlich sein.

  • Wochenmarkt Spritzenplatz
    Die neue Verkehrsführung muss gewährleisten, dass die Marktbeschicker weiterhin akzeptable Zu- und Abfahrtswege haben. Der Wochenmarkt auf dem Spritzenplatz ist an vier Tagen in der Woche auch ein wichtiger Anlauf- und sozialer Treffpunkt für die Ottenserinnen und Ottenser und soll durch die Verkehrsberuhigungsmaßnahmen nicht eingeschränkt, sondern gestärkt werden.

  • Gewerbe, Praxen
    Ottensen ist bekannt dafür, dass das wirtschaftliche und soziale Leben auf einer bewährten und traditionellen Durchmischung von Wohnen und vielfältigem Gewerbe beruht. Die Vielfalt der Gewerbestruktur – zum großen Teil kleine, ortsansässige Unternehmen – muss erhalten bleiben. Die Interessen der Gewerbetreibenden, sei es der Einzelhandel, gastronomische Betriebe, Praxen im Gesundheitsbereich, Handwerksbetriebe – alle mit dem dazugehörigen Lieferverkehr – sollen in den geforderten Verkehrsberuhigungsmaßnahmen berücksichtigt werden.

  • Fußverkehr
    Ottensen ist ein Stadtteil, der geprägt ist von kleinen Straßen und kurzen Wegen, der sich bei jedem Wetter gut zu Fuß erschließen lässt. Das Fördern der natürlichsten Art von Mobilität – nämlich zu Fuß zu gehen – lässt viele Verkehrsprobleme erst gar nicht auftreten.

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Bewohnerparken nach dem Mischprinzip

Bereits im Februar 2014 wurde in einer von der Freien und Hansestadt Hamburg in Auftrag gegebenen Erhebung zum Bewohnerparken für alle untersuchten Bereiche Ottensens die höchste Priorität ermittelt. Da sich der Handlungsbedarf seither noch erhöht hat, fordern wir die umgehende Einführung des Bewohnerparkens ohne weitere Verzögerung.

Um die zugespitzte Parkraumsituation deutlich zu verbessern, muss die Einführung des Bewohnerparkens in Ottensen um folgende Maßnahmen ergänzt werden:

  • Die Einbeziehung aller Parkhäuser des Stadtteils – insbesondere der nicht ausgelasteten Parkhäuser Bahnhof Altona, Mercado und Vivo – in ein verbessertes Parkleitsystem, das auswärtige Parker direkt ins Parkhaus leitet, ohne im Viertel Parksuchverkehr zu verursachen. Notwendige Ergänzung zu den bestehenden Parkhäusern ist die Einrichtung einer Quartiersgarage bzw. eines Parkhauses mit E-Tankstellen am westlichen Rand Ottensens.
  • Reduzierung der Parkplätze dort, wo vorhandene Stellflächen dem Fuß- und Radverkehr (einschließlich zeitgemäßer Abstellanlagen) im Wege stehen und die Entwicklung einer nachhaltigen und klimagerechten Mobilität verhindern.
  • Ausdrückliches Verbot des halbachsigen Parkens auf den Gehwegen Ottensens, das die Grundanforderung an die Seitenraumbreite von 2,5 m unrechtmäßig untergräbt.
  • Kontrolle und Ahndung von Falschparkern: in den Straßen Ottensens wird tagtäglich ausgiebig falsch geparkt, ohne dass dagegen merklich vorgegangen wird: Lieferzonen mit eingeschränktem Halteverbot werden zugeparkt, so dass der Lieferverkehr in zweiter Reihe halten muss und Staus verursacht; Einmündungen und Bordsteinabsenkungen werden blockiert, so dass Menschen mit Rollstühlen, Rollatoren und Kinderwagen nicht passieren können und das freie Blickfeld auf den Querverkehr unmöglich wird; überwiegend parken die Autos so dicht, dass Fußgänger die Straßen nicht überqueren können.

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