1. Bürgertreffen der OTTENSER GESTALTEN

13. Juli 2017, Stadtteilzentrum Motte, 20 Uhr
Der Raum war voll besetzt, nicht alle fanden einen Sitzplatz – ein Zeichen dafür, dass das Thema vielen auf den Nägeln brennt.
Es kamen ca. 100 Teilnehmer und Politiker aller eingeladenen Parteien:

  • Stephanie Faust (Grüne) für die Grünen im Verkehrsausschuss
  • Tim Schmuckall (CDU) Verkehrspolitischer Sprecher
  • Reinhard Zaage (SPD) für die SPD im Verkehrsausschuss
  • Ove Rybka (FDP) für die FDP im Verkehrsausschuss
  • Karsten Strasser (Linke) für die Linke im Verkehrsausschuss
  • und der Experte für die Fahrradinfrastruktur Oliver Hahn (Bezirksamt Altona, Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt – Fachamt Management des öffentlichen Raumes. Tiefbau, Planung – A/MR 216)

Die Initiative hat für sich zunächst zwei Ziele definiert:

  1. kein Durchgangsverkehr im Kernbereich von Ottensen
  2. Bewohnerparken

Initiatorin Uta Lohmann stellte zunächst die Geschichte der Gruppe vor, die aus zwei Privatinitiativen von Uta Lohmann und Heike Janßen entstanden ist, die beide dem Lärm, der Enge und der Luftverschmutzung in Ottensen, die durch den übermäßigen Verkehr entstehen, einen Riegel vorschieben wollen.
Mehrere Eingaben an den Verkehrsausschuss der Bezirksversammlung Altona, v.a. wegen des zunehmend starken Durchgangsverkehrs durch die Wohnbezirke Ottensens und ein Treffen mit Vertretern vom PK21/HVV und Behörde hatten aber nichts ergeben. Über soziale Medien fanden sie Mitstreitende und auf einem Altonale-Infostand auch Öffentlichkeit, so dass mittlerweile mehr als 200 Interessierte zu verzeichnen sind (mit steigender Tendenz), die die Anliegen der Bürgerinitiative unterstützen.

Kurze Vorstellung der Mitglieder der Initiative. Antrieb für sie sind folgende Faktoren:

  • starke Lärm- und Luftbelastung durch Staus (Durchgangsverkehr und Parkplatzsucher)
  • sowohl Lärm als auch Abgase verursachen erwiesenermaßen gesundheitliche Probleme
  • die Enge und Unübersichtlichkeit führt zu Gefährdung für Radfahrer (Fahrradfahrer und Fußgänger – insbesondere für Kinder und Ältere)
  • besonders Eltern sind besorgt, es gibt in Ottensen zahlreiche Unfälle, mehrfach wurde auch aus dem Publikum appelliert, dass wir nicht warten sollten, bis etwas Schlimmes passiert
  • häufig persönliche Beobachtung/Berichte von Unfällen oder Beinahe-Unfällen, die nicht registriert werden
  • Erstaunen einer neuzugezogenen Stadtplanerin mit Schwerpunkt klimagerechter Stadtentwicklung über die Autodominanz des ansonsten sehr attraktiven Stadtteils Ottensen
  • Bedürfnis nach leisen und umweltfreundlichen E-Bussen und möglichst weiter Entfernung der Bushaltestellen von den Wohnhäusern (betr. Gewerbe)
  • AnwohnerInnen, die auf ein eigenes Auto angewiesen sind (z. B. Familien, Gewerbetreibende, PendlerInnen), wünschen sich Bewohnerparken und besser koordinierte Baustellen samt Halteverbot
  • und da alle sich weniger Autos wünschen: Langfristig auch ein besseres Radwegekonzept und einfachere Genehmigungen für Fahrradhäuschen sowie höhere Frequenz des Nahverkehrs

Rückmeldungen aus dem Publikum:

  • weder für Fußgänger noch für Fahrräder und Autos ist genug Platz (Extrembeispiel: Bahrenfelder Straße)
  • Ottensen ist für so viele Autos zu klein und zu eng
  • Schritttempo für Autos!
  • persönliche Mobilität soll erhalten bleiben
  • Bericht vom Albtraum des Schulwegs: neben akuter Unfallgefahr auch starke psychische Belastung und Einatmen der Abgase
  • Bericht von der jahrzehntelangen Beobachtung, wie aus einer kleinen Anwohnerstraße mit sehr wenig Verkehr eine laute Durchgangsstraße entstanden ist, an der man nicht mehr mit offenem Fenster im Wohnzimmer sitzen mag (Mottenburger Twiete / Eulenstraße)
  • Mut, Prioritäten für jede einzelne Straße zu definieren
  • Parken an den Straßen ist überall kostenlos, Gehweg-Parken wird toleriert, dagegen müssen Gewerbetreibende für das Aufstellen von Stühlen etc. hohe Gebühren entrichten
  • Bericht von positiven Erfahrungen aus Amsterdam mit extrem teuren Tagesparkplätzen

Weitere Ideen, die wir auf den Flipcharts gesammelt haben, findet ihr ganz unten

Vorstellungsrunde der geladenen Diskussionsteilnehmer
Oliver Hahn berichtete, dass Hamburg Fahrradstadt werden möchte und Personal aufstockt. In Ottensen soll die Veloroute 1 durch die Klaus- und Eulenstraße bzw. durch die Kepler- und Arnoldstraße führen.
Reinhard Zaage erzählte aus der Geschichte Ottensens, in der Initiativen schon Verkehrsumleitungen durchs Viertel und Abrisse verhindert hatten, auch gegen Widerstand und kontroverse Diskussionen innerhalb der Parteien – eine Ermutigung für uns heute, unser Viertel zu gestalten.
Alle Parteien haben sich offen gezeigt für Veränderungen und sehen Handlungsbedarf. Von Seiten der Politiker kamen folgende Inputs (da wir uns aus dem Wahlkampf heraushalten wollen, werden Namen und Parteien nicht gesondert erwähnt – zumal es sich hier erst einmal um einen Austausch und Ideensammlung für eine Strategie handeln soll):

  • Gewerbetreibende müssten mit einbezogen werden
  • es gehe um Ausgleich der Interessen, niemand wird sich voll durchsetzen können
  • in der Vergangenheit habe man Gruppen in Wohnumfeldern gebildet und diskutiert. Dies solle aktuell aufgegriffen werden
  • ganze Straßen zu sperren, werde zu Problemen führen
  • Bewohnerparken sei in verschiedenen Großstädten bereits erfolgreich umgesetzt worden
  • Mobilitäts-Initiativen, wie Shared Space, seien für den Stadtteil bereits mehrfach diskutiert worden, konnten sich bisher aber nicht durchsetzen.

Von Seiten der Besucher kamen zahlreiche Ideen, die zum Teil weit über die ersten Ziele der Initiave hinausgehen, aber die dennoch als Anregung und Diskussionsgrundlage dienen können:
freie Nutzung HVV / Bahnhof Altona soll bleiben / Schwerlastverkehr verlagern / Luftreinhalteplan einhalten / Asphaltstraßen / Radar / Blitzer / Geschwindigkeitsanzeiger / Citymaut / Sleeping Policemen / samstags autofrei in Ottensen / fußgängerfreundliche Ampelschaltung / kleine E-Busse, die häufiger fahren / mehr Zebrastreifen / gute und sichere Fahrradwege / Bäume / freie oder günstige Nutzung der Parkhäuser für Anwohner / Tempolimit 20 / Bahrendfelder und Ottenser Hauptstraße autofrei / Aufbau eines Park&Ride-Systems in den Vororten / Autoaufkleber: Slow Ottensen
ziviler Ungehorsam: Ottensener fahren 20 (mit Autoaufkleber), Radfahrer fahren mitten auf der Straße, um nicht an die parkenden Autos gedrückt zu werden; ästhetische Ausbremsaktionen wie Spontankonzerte auf einer Kreuzung; regelmäßige ‚Belagerung‘ der Ottenser Hauptstraße und Bahrenfelder Straße durch Fußgänger (z. B. immer samstags), selbst gebaute Schilder vor Kitas und Schulen; Plakate wie: ihr steht nicht im Stau sondern ihr seid der Stau, oder: Bitte nicht hupen, es geht sowieso nicht schneller

Was stört uns?
LKW / SUVs / Wohnmobile / große laute HVV-Busse (nicht aber der öffentliche Nahverkehr an sich)
wildes Parken
zu schnelles Fahren
Durchgangsverkehr
Lärm- und Luftverschmutzung
Kopfsteinpflaster (ok bei Schritttempo)
zu viele Autos
Fahrrad fahrende Rowdies
Parkplatzsuchverkehr
Fahrer, die Tempolimit nicht vor Schulen und Kindergärten beachten
schlechte Fahrradwege
Ampelschaltungen, die Autofahrer animieren, bei Rot durchzufahren
Autobahnzubringer

Vorschläge/Ideen:
Folgende Ideen sind aus der Diskussion entstanden und sind nicht als Beschlüsse oder Aufforderungen seitens der Initiative zu verstehen

  • Alle Verkehrsteilnehmer sollten auf einander Rücksicht nehmen (keine Raser auf Rädern oder in Autos)

Behördlich:

  • Vermehrt Raser und rücksichtslose Falschparker anzeigen!
  • Bewohnerparken sollte sofort angeschoben werden
  • Planungswerkstätten mit Bürgerbeteiligung für die einzelnen Quartiere sollten sofort eingerichtet werden

Anmerkung: Aus Gründen der Lesbarkeit haben wir gelegentlich auf das Gendern verzichtet – es sind selbstverständlich stets alle Menschen gemeint.